Zeitzeugenbesuch auf dem Jakobsberg

08. JUN 2016 Aktuelles

„Ich wurde am 2. September 1944 verhaftet. Am 4. September kam ich nach Auschwitz und erhielt die Nummer 194866. Dort blieb ich bis zum 21.10.1944. ...

 

Anschließend wurde ich in das KZ Flossenbürg deportiert. Ich bekam die Nummer 30990 und blieb dort bis zur Befreiung am 23.04.1945. In Flossenbürg arbeitete ich in Fabrikhallen in der Produktion von Flugzeugteilen für Messerschmitt. Ab Februar 1945 wurde ich zur Arbeit im Steinbruch strafversetzt. Wir arbeiteten im Dreischichtsystem und bekamen nur Hungerrationen an Lebensmitteln. Es gab keine medizinische Versorgung, keine Reinigungsmittel, die Kleidung war verlaust. Es herrschten Wund- und Fleckfieber und Skorbut und es brach Typhus aus, mit dem ich mich bis zur Befreiung am 23.04.1945 ansteckte. Das Lager wurde von der US-Armee befreit. Ich erinnere mich weder an den Tag noch an den Moment der Befreiung, denn ich war an Typhus erkrankt, mehr tot als lebendig und hatte seit das Lager für den Todesmarsch ins KZ Dachau evakuiert worden war, viele Tage nichts gegessen. Am 30. Juni 1946 kehrte ich nach Polen zurück.“

In dieser und ähnlicher Weise haben sechs Zeitzeugen Schülerinnen und Schüler der Geschichtskurse der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums Nieder-Olm von ihren Erlebnissen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs berichtet. Die persönliche Begegnung mit Menschen und deren Schicksalen war eine eindrückliche Erfahrung. Möglich gemacht wurde der Besuch auf dem Jakobsberg am 31. Mai 2016 vom Referat für Weltmission/Gerechtigkeit und Frieden im Bischöflichen Ordinariat Mainz in enger Kooperation mit dem Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg, das seit vielen Jahren Überlebende der Konzentrationslager und Ghettos auf vielfältige Weise unterstützt. Die Frauen und Männer, die sich die Weitergabe ihrer Erlebnisse an jüngere Generationen zur Aufgabe gemacht haben, waren in verschiedenen Konzentrationslagern und Ghettos, mussten Zwangsarbeit leisten oder die Zeit in Verstecken verbringen.

Text und Foto: Georg Kripp für die Fachschaft Geschichte (Quelle des Zitats: Bischöfliches Ordinariat, Mainz)

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